Die Ewige Hexe
Tiko El Outa
Auf hellblauen Samt gebettet wirken die vier textilen Skulpturen von Tiko gleichzeitig grotesk und liebevoll. Die Körperteile scheinen wie aus einem Körper herausgelöst und für die Nachwelt bewahrt worden zu sein. Im Raum verteilt begegnen sie den Besucher:innen wie Fragmente einer Geschichte, die sich nie ganz erschliesst.
Die Arbeiten gehören zu Tikos fortlaufender Auseinandersetzung mit der Figur der «ewigen Hexe». Im Zentrum stehen Frauen, die aufgrund ihres Verhaltens, ihres Wissens oder ihrer Lebensweise gesellschaftliche Normen infrage stellten und deshalb ausgegrenzt oder verfolgt wurden.
Tiko sagt: «In meinen skulpturalen Arbeiten hinterfrage ich die klassischen Zuschreibungen der Hexe und öffne einen Raum für Ambivalenz und Vieldeutigkeit. Inspiriert von den Forschungen von Peter Kamber zu den Hexenprozessen in der Schweiz verbinde ich historische Quellen mit künstlerischer Interpretation.»
Die Hexe erscheint hier nicht als eindeutige Figur, sondern als vielschichtige Projektionsfläche. Sie steht zugleich für Ausgrenzung und Widerstand, Verletzlichkeit und Selbstermächtigung. Gegensätze werden nicht aufgelöst, sondern dürfen nebeneinander bestehen. Damit öffnen die Skulpturen einen Raum für die Fragen, Widersprüche und Mehrdeutigkeiten.